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Tag des Friedhofs 2022 - Andacht unter Torbogen

 

 

Lesung von Psalm 84
Ansprache
Sehr geehrte Damen und Herren, in der Ankündigung zum heutigen ‚Tag des Friedhofs 2022'  auf dem ev. Friedhof Brackwede findet sich zwischen der Friedhofsführung mit dem Friedhofgärtner Herrn Beiderbeck und den mit Harfenmusik umrahmten Märchenerzählungen von Frau Dr. Michaela Brinkmeier gleich in der Friedhofskapelle der Punkt: Kurze Andacht im Torbogen - ein prophetischer Hinweis, soll doch bei dem heutigen Regenwetter die Länge der Verkündigung im umgekehrten Verhältnis zur Luftfeuchtigkeit stehen. Denn nach dem trockenen Sommer sind wir dankbar, wenn sich der Himmel so mild öffnet wie heute und Grün und Boden feuchtet.

 


Dass wir uns am Eingang und Ausgang des Gottesackers versammeln, hat seinen besonderen Grund. Es ist dem Engagement historisch interessierter und pietätvoller Bürgerinnen und Bürger zu verdanken, dass dieser Torbogen, der in den letzten Jahren doch sehr gelitten hatte, wieder ein wenig hergerichtet wurde. Ganz besonders verdient dabei Herrn Eberhard Heyd unser Dank und Anerkennung. Mahnend lagen Sie dem Träger des Friedhofs, dem Verband der ev. Kirchengemeinden Brackwede, in den Ohren und haben zusammen mit ihrer Familie durch eine großherzige Spende den Stein ins Rollen gebracht. Weitere Spenderinnen und Spender schlossen sich in den letzten zwei Jahren an mit großen und kleinen Beträgen. Ihnen allen sei aufs herzlichste gedankt für dieses bürgerschaftliche Engagement zum Erhalt eines lokalen Denkmals.

Warum war das überhaupt so nötig geworden? Ist denn nicht die Bauunterhaltung ein Geschäft der laufenden Verwaltung und in den öffentlichen Haushaltplänen eingestellt, wie ein Leserbrief in der Tagespresse vermutete? Leider nein. Zur Erklärung mögen wir einen Blick in die Begräbnis-, in die Sepulkralkultur werfen. Adelige und gekrönte Häupter ließen und lassen sich, morgen bei der Queen Elisabeth II.  live im Fernseher, in eigens gestifteten Kirchen beisetzen. Die Neustädter Marienkirche in Bielefeld ist so die Grablege der Grafen zu Ravensberg, deren Geschlecht mit dem Errichter allerdings schon ausgestorben war. Auch Bischöfe, Geistliche und Ordensleute erhielten privilegierte Plätze, das „einfache Volk“, der „Dritte Stand“ lag außerhalb der Kirchmauern, aber je nach Geld und Prestige um die Kirche herum, auf dem Kirchhof. Der auch denkmalsgeschütze Mauerrest an der Bartholomäuskirche zeugt davon. Die hygienischen Umstände in einem mittelalterlichen Dorf Westfalens darf man sich allerdings nicht zu romantisch vorstellen. Die Quellen berichten von Schweinen, die die Gräber wieder aufwühlten, denn oft wurden, weil aus Platzmangel Generation über Generation gestapelt, die Körper nur knapp unter der Erde bestattet.

Erst das 19. Jahrhundert brachte in allem, auch beim Umgang mit den Verstorbenen, verbesserte Bedingungen, die allein schon wegen des rasanten Bevölkerungswachstums notwendig waren. Man legte planmäßig neue Friedhöfe an, oft parkähnlich und mit Bepflanzung, die bis dato unüblich war. Jedoch oftmals ohne Kapellen. Fand die Trauerfeier nicht in der Kirche statt, von wo aus dann der Leichenzug zum Grab zog, dann gab es wenigstens eine kleine, eben kurze Andacht. Torhäuser wie dieses, manchmal auch mit einem Sterbeglöckchen versehen, dienten als Vorläufer der Kapelle. Schauen wir auf die Länge des Torganges: Für Sarg und Träger und dem Pastor hat es gereicht.

Das 19. Jahrundert war der Höhepunkt der bürgerlichen Begräbniskultur, in den Feiern, in den Formen, in der Öffentlichkeit, in den künstlerischen Grabmalen. Das 20. Jahrhundert mit der Massenfertigung von Grabschmuck und auch dem Massensterben in den Weltkriegen, brachte eine Vereinheitlichung, so wie ja gesellschaftlich die Nivellierung einer Bürgerlichkeit, die zuvor im besten Sinne gewirkt hatte. Und unser Jahrhundert, das 21.? Wir leben in einer „smarten“ Zeit, sind gewollt mobil und flexibel. So wie früher der Fernseher massiv war, ist es jetzt ein flacher Bildschirm, ein winziges Smartphone vereint den Telefonapparat, den Telegrafen, die Schreibmaschine, das Diktiergerät, den Plattenspieler, das Konversationslexikon, den Fotoapparat und die Fernsehkamera. Und deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wenn z.Zt. die Urnenbestattung mehrheitlich zum Standard wurde, das Erdbegräbnis zur Ausnahme.

Was aber bleibt, ist die existenzielle Sorge um das, was nach dem Tode kommt. Geblieben sind die Fragen, ist die Trauer. Ein umfriedeter Raum wie der Friedhof, lässt uns äußerlich zur Ruhe kommen und hoffentlich auch innerlich. Und dann kann die verletzte Seele sich in ihrer Tiefe öffnen für die große Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott. So wird der rein funktionale Eingang, geschmückt nur vom gußeisernen Kreuz am Giebel, zu einem symbolischen Ort. Er erinnert mich an eines der sieben „Ich bin"-Wörter, die wir im Johannesevangelium finden. Im Gleichnis vom Guten Hirten sagt Jesus: Ich bin die Tür“ - er selbst ist der Eingang zu diesem ewigen Leben. Darum, wer von außen eintritt, geht wie durch Tod und Sterben: Es ist wie in einem Tunnel, bis sich dann der lichte Himmel öffnet weitet und wir, wie im Paradiese in einen Garten eintreten. Von dieser Hoffnung erzählt dieser Bogen und erzählen Sie es bitte auch weiter. Denn vom Umgang mit den Verschiedenen zehrt auch die Humanität unter uns Lebenden.

Amen.
Pfarrer Ingo Stucke


Vaterunser und Segen

 

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