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Gedanken in der 3. Woche nach Ostern

Privates und Öffentliches

Gestern habe ich an der ersten Video-Pfarrkonferenz meines Lebens teilgenommen. Es hat geklappt.

Wir, ca. 40 Pfarrerinnen und Pfarrer, konnten uns sehen, miteinander sprechen, haben einen sehr guten Vortag gehört und konnten dazu  Nachfragen stellen.

Eigentlich so wie immer.

Und doch ganz anders.

Kurz vor 9.00 Uhr - dann sollte das Treffen beginnen – meldete sich eine nach dem anderen an.

Gelegentlich war ein „Guten Morgen!“ zu hören, meist waren es aber Fragen wie: „Könnt ihr mich jetzt hören?“, „Warum ist deine Kamera nicht an?“, „Wie kann ich mich zu Wort melden?“

Bis das geklärt war, konnte man sich ansehen, wo die Kolleg*innen so saßen. Meist vor dem bei Theolog*innen üblichen Regal mit Fachliteratur. Andere waren bei der Arbeit, schienen aber in Urlaub zu sein (sie saßen wohl vor einer Fototapete mit einem entsprechenden Urlaubs-Motiv). Eine Kollegin musste erst noch ihr Haar richten, bevor sie ihre Kamera einschalten konnte. Und der Superintendent trug nicht das übliche Jackett, sondern eine bequeme Freizeitjacke.

Durchaus interessant also, aber es gehörte nicht direkt zum in der Einladung angegebenen Thema.

Dazu sind wir dann auch gekommen.

Zwischendurch meldete sich noch jemand verspätet an. Dann kam ein Kind in ein Arbeitszimmer. Oder jemand verschwand; dann war nur noch ein leerer Stuhl zu sehen oder ein schwarzer Bildschirm.

Alltag also im Leben von Pfarrer*innen.

Nur dass wir dieses Mal in verschiedenen Räumen saßen und übers Internet kommunizierten.

 

Wir haben dann doch noch gut und intensiv zusammengearbeitet, waren sogar schneller fertig als sonst.

Anschließend hatte ich leichte Kopfschmerzen.

Das Ganze war doch reichlich ungewohnt und erforderte von mir sehr viel Konzentration.

Das lag auch daran, dass ich zwischendurch immer mal wieder dachte: „Sitz gerade; die Kolleg*innen können dich alle sehen! Fasst du dir sonst auch so oft an die Nase, wenn du dich nicht selbst auf dem Bildschirm siehst?“

Immer mal wieder stehe ich in diesen Tagen vor der Frage: Wo ist die Grenze zwischen privat und öffentlich?

Normalerweise empfange ich dienstliche Besuche in einem Gesprächszimmer; mein Computer, den ich für die Video-Konferenz nutzte, steht aber in meinem Arbeitszimmer. Jetzt bekommen auf einmal alle Kolleg*innen mit, wie es in meinem Arbeitszimmer aussieht.

Ist es in Ordnung, wenn die sehen, dass auf meinem Schreibtisch auch private Post liegt, z.B. die letzte Ausgabe der Zeitschrift „Test“?

Sollen die wissen, dass meine schwarzen Schuhe, die ich gewöhnlich im Dienst trage, unter dem Regal mit den theologischen Literatur stehen - und auch meine Wanderschuhe?

 

Ich weiß, dass es wichtig ist, Berufliches und Privates zu trennen.

In diesen Tage merke ich, dass lange Bewährtes auf einmal nicht mehr passt.

Ist dieser Text eine private Tagebucheintragung?

Oder ist es eine Andacht, dienstlich also?

 

Zur Andacht wird es durch einen biblischen Bezug.

Am Ende seines ersten Briefs an die Gemeinde in Korinth schreibt Paulus:

„Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!“ (1. Kor, 16,14), also auch Berufliches und Privates.

Wenn mich jemand liebt, dann darf der oder die auch wissen, wo meine Wanderschuhe stehen.

Und wenn ich jemanden liebe, dann ist es mir letztlich egal, ob er oder sie vor einem Bücherregal oder vor einer Fototapete sitzt; Hauptsache es geht ihm oder ihr gut..

 

Bleiben Sie aufmerksam.

Wir sind gesegnet!

 

Ulrich Meyer-Gieselmann, Pfarrer

K  
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