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Gedanken am 11. Tag nach Ostern

Vom Umgang mit Regeln

Liebe Mitchrist*innen! Liebe Mitmenschen!

Wer in dieser ungewöhnlichen Zeit draußen in unserer Stadt aufmerksam unterwegs ist, dem wird auffallen, wie schwer sich manch eine(r) damit tut, sinnvoll mit Regeln umzugehen.

Dass man in der vergangenen Woche die Bahnhofstraße fast für sich allein hatte, war hilfreich und ist nun nicht mehr nötig.

Wenn ich jetzt aber höre, dass dort schon fast wieder so viel los ist, als gäbe es die Corona-Krise nicht, dann finde ich das – genauso wie der Mensch, der mit davon erzählte - unverantwortlich.

 

Dass unser Kirchengebäude zurzeit noch geschlossen sind, halte ich für richtig.

Dagegen, dass eine Presbyterin in dieser Woche an einem Nachmittag unsere Kirche geöffnet hat, hatte ich nichts einzuwenden.

Ich habe nur zu ihr gesagt: „Du bist dafür verantwortlich, dass sich auch in der Kirche alle an die jetzt geltenden Empfehlungen halten und dass nicht zu viele gleichzeitig in der Kirche sind.“

Nachdem sie sich vorher alles gut überlegt hatte, hat sie das problemlos hinbekommen.

Als ich währenddessen kurz in die Kirche schaute, saß sie lesend auf einem Stuhl an der geöffneten Tür am Eingang.

Mehr als 5 Meter von ihr entfernt hielt sich eine einzelne Frau auf und betete.

Gleichzeitig saß oben auf der Orgelbank ein Organist und freute sich, dass er Orgel spielen durfte.

Ich schaute kurz rein und war froh darüber, wie besonnen und verantwortlich doch viele Menschen sind, die in Brackwede in die Kirche kommen.

 

Kurz zuvor hatte mir jemand erzählt, dass Ostern in einem Bielefelder Heim die Leitung den Bewohner*innen gestattet hatte, bei dem schönen Wetter raus in den Garten zu gehen.

Der Garten ist durch Büsche von der Straße getrennt.

Dann hätten sich aber einige Angehörige durch die Büsche geschlagen, um ihre Verwandten zu besuchen.

Als Heimleitung das merkte, musste sie den Verwandten Haus- und Gartenverbot erteilen.

Und alle Bewohner*innen durften ab sofort nicht mehr nach draußen.

Ich wurde sehr traurig darüber, wie unvernünftig und verantwortungslos doch einige Menschen sind, die an Festtagen ihren Verwandten nahe sein wollen.

 

Dumm nur, man weiß nie, wem man begegnet.

Man kann es den Menschen nicht ansehen, zu welche Gruppe sie gehören.

Schlimmer noch, wohl alle sind meist sehr besonnen, in Ausnahmefällen aber auch mehr oder minder unvernünftig.

Das macht auch mir in dieser ungewöhnlichen Zeit immer wieder Probleme.

 

Ich muss in meinem Beruf zwangsläufig viele Gespräche führen.

Vieles lässt sich per Telefon- oder Videoanruf erledigen, manches auch per Mail oder Brief.

Das lässt sich in der Regel ganz gut machen.

 

Manchmal sind aber auch persönliche Gespräche sinnvoll.

Die zufälligen Begegnungen auf der Straße helfen mir und tun offensichtlich auch den anderen gut.

 

Manchmal, ziemlich selten, lasse ich mich auch einladen.

 

Und manchmal laden wir Pfarrer auch selbst zu Gesprächen ein.

Wir haben ja Zugang zu mehreren, auch größeren Räumen.

Dann stößt es bei den Eingeladenen manchmal aber auf Unverständnis, wenn wir 4 Leute z.B. noch für akzeptabel halten, 5 uns aber zu viel sind.

 

Selbstverständlich ist diese Grenze willkürlich, Aber die Grenze zwischen 5 und 6 wäre es genauso, ebenso die zwischen 10 und 11.

Wer die Einladung ausspricht, der muss wohl oder übel eine Entscheidung treffen – und darf dann darauf hoffen, dass die Eingeladenen die auch akzeptieren.

Sonst hat ein Problem.

 

Mir scheint mit diesem Problem bin ich als Pfarrer nicht allein.

Es mag sich respektlos anhören, ist aber nicht so gemeint, wenn ich sage, selbst Gott steht vor dem gleichen Problem.

 

Gott hat den Seinen die 10 Gebote gegeben, damit sie die ihnen geschenkte Freiheit zu bewahren, z.B. das Gebot den Sabbat zu heiligen.

Einige der Seinen haben dann überlegt, wie viele Schritte man denn wohl an diesen Tage machen dürfe.

Jesus scheint offensichtlich anders gedacht zu haben.

Im Markus-Evangelium ist von ihm die Aussage überliefert:

„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“

(Mk. 2,27. Ich empfehle den Text im Zusammenhang zu lesen.)

 

Jesus hat am Sabbat Kranke und Verwundete geheilt.

Ich bezweifele aber, dass er sich dafür ausgesprochen hätte, sonntags alle Drogeriemärkte zu öffnen, damit sich im Notfall dort ein Pflaster kaufen kann.

Ebenso bezweifele ich, dass er damit einverstanden wäre, dass im Advent an allen Sonntagen die Geschäfte geöffnet sind, weil nur so den Menschen geholfen werden kann, die nur deshalb in Not geraten sind, weil völlig überraschend der Heiligabend, wohlgemerkt der Geburtstag Jesu, ausnahmsweise mal wieder auf den 24. Dezember fällt.

 

Viele Menschen befolgen freiwillig alle Gebote und sinnvollen Empfehlungen, übererfüllen sie sogar.

Diese Menschen haben völlig zu Recht alle Freiheiten.

 

Andere jedoch müssen zu ihrem Glück gezwungen werden.

Und jede Regierung hat nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, ihr Fehlverhalten mit empfindlichen Strafen zu ahnden.

 

Einfach ist das nicht.

Aber gemeinsam schaffen wir das – auch in dieser ungewöhnlichen Zeit.

 

Bleiben Sie besonnen.

Wir sind gesegnet.

Ulrich Meyer-Gieselmann, Pfarrer

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